Der schweizerische Alleskönner

Die ursprüngliche Heimat des Berner Sennenhundes ist das Berner Mittelland, das Emmental, das Voralpengebiet südlich von Bern. Bauern und Sennen (Alphirten) hatten sich im Lauf von Jahrhunderten einen Hundetyp herangezogen, der den Bedürfnissen ihrer Lebensform entsprach. Die Hunde waren groß, kräftig, beweglich, ausdauernd, robust, wettertest und genugsam. Ihr Fell war lang, dicht, mehrfarbig. Sie waren selbstsicher, ausgeglichen, selbstständig, intelligent, anhänglich, wachsam. Sie waren vertraglich mit anderen Tieren, sie streunten nicht, rauften nicht und bellten nur, wenn es nötig war. Sie waren vielseitige und tüchtige Gebrauchshunde im besten Sinne des Wortes. Sie waren immer und überall dabei auf dem Hof, auf dem Feld, auf der Weide und beim dang ins Dorf. Sie beschützten die Menschen und bewachten das Vieh. Sie zogen Milchwagen, Metzgerkarren und Schlitten. Sie waren Spielkameraden für die Kinder und Kumpel für die Erwachsenen.

 

Vom Bäri zum Berner Sennenhund

Ein einheitliches Aussehen und einen gemeinsamen Namen hatten diese alteingesessenen Hunde bis vor einhundert Jahren nicht. Man nannte sie, je nach farblicher Besonderheit, Ringgi (mit weißem Halsring), Bläss (mit breiter Gesichtsblesse) oder Bäri (mit dunklem Gesicht). Als dann ein Gastwirt in Dürrbach, einem kleinen Weiler im Gurnigelgebiet unweit von Bern, besonders schone und kräftige Exemplare dieser Hunde züchtete, nannte man sie Dürrbächler und übertrug diesen Namen auf den ganzen Hundeschlag. Die „offizielle” Existenz der Rasse begann 1904, als erstmals Dürrbächler Sennenhunde m das Schweizerische Hundestammbuch eingetragen wurden. Doch erst im Jahre 1912 bekam die Rasse ihren heutigen Namen: Berner Sennenhund. In seiner ursprünglichen Heimat ist der Berner auch heute noch ein geschätzter bäuerlicher Gebrauchshund. Seine hervorragenden Charaktereigenschaften und sein attraktives Äußeres haben ihn inzwischen aber auch zu einem international beliebten Familien- und Begleithund werden lassen.

 

Mit dem Berner leben

Der Berner Sennenhund ist groß, stark, schwer und langhaarig. Er ist sensibel, anhänglich, anpassungsfähig und mitunter auch dickköpfig. Daraus ergeben sich für ihn und seine
Menschen bestimmte Erfordernisse der Lebensgestaltung. Der Berner ist nicht gern allein. Er will am liebsten ständigen engen Kontakt mit seinen Menschen. Allein gelassen, verkümmert er und verliert sein gutes Wesen. Also, der Berner gehört ins Haus und er muss mit: in den Urlaub, zum Stadtbummel, in den Biergarten, zu Freunden, an den Baggersee, zum Kindergeburtstag.

Der Berner haart. Regelmäßiges Kämmen und Bürsten muss sein, mehr freilich ist nicht nötig.
Der Berner wird nicht von selbst zum kinderlieben Schmusebär. Er braucht Erziehung, vom ersten Tag an, mit Liebe, Lob und Leckerli, aber auch mit Konsequenz. Der Berner ist kein Hund für Stubenhocker, Strandlieger, Stadtindianer. Ein Berner braucht Bewegung. Zweimal eine Stunde täglich Minimum. Dabei ist gemütliches Traben eher angesagt als temperamentvolles Galoppieren. Der Berner ist ein Hund vom und fürs Land. Pflastertreten ist seine Sache nicht. Erst beim Spazieren-Schnüffeln in Wald und Flur fängt für ihn das Leben richtig an. Der Sommer gehört nicht zur bevorzugten Jahreszeit des Berners. Je kühler es wird, umso mehr lebt er auf. Am wohlsten fühlt er sich bei winterlichem Frost. Ausgelassen im Schnee zu stieben und zu stöbern ist seine große Leidenschaft.

Arbeit tut gut

Berner sind Arbeitshunde. Sie wurden über Jahrhunderte auf vielseitige Gebrauchstüchtigkcit hin gezüchtet. Dem Wesen und den Fähigkeiten eines solchen Hundes wird man nur unzureichend gerecht, wenn man ihn auf die Rolle des passiven Lebensbegleiters reduziert. Der Berner braucht eine Aufgabe. Aktive Lebensgestaltung ist erwünscht. Das kann eine Ausbildung zum Begleit-, Fährten-, Sanitäts-, Lawinen- oder Rettungshund sein. Jede Aktivität, die der körperlichen. Konstitution des Berners Rechnung trägt, ist gut. Hauptsache, es macht dem Hund (und seinem/seinen Menschen) Spaß. Noch heute kann man in der Schweiz mancherorts erleben, mit welcher Freude und mit welchem Elan Berner Sennenhunde den mit Milchkannen beladenen Wagen vom Hof zur Dorfkäserei ziehen. Wer also mit der Arbeit auch noch Traditionspflege verbinden will, der findet im Wagenziehen eine typgerechte und befriedigende Aufgabe für den Berner Sennenhund.

 

Fazit

Wer seinen Bäri rechtzeitig und gut erzieht und sozialisiert, wer ihm ein erfülltes Leben bietet, wer ihn ausgewogen, aber nicht üppig ernährt, wer auf regelmäßige Gesundheitsvorsorge achtet, der wird – mit etwas Glück – für ein Jahrzehnt einen wunderbaren Lebenspartner haben.

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